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Titel:

EVOuse - eine Methode zur instinktgerechten Wahrnehmung ergonomischer Qualitäten der Interfacegestalt

Autor(en): M. Schmid, T. Maier
Zusammenfassung: Zwischen den Fachdisziplinen der Designer und Ingenieure herrscht bis heute Uneinigkeit darüber, wie die formalen (ästhetischen) und funktionalen (ergonomischen) Gestaltkriterien zu einer idealen Interfacegestalt zusammengeführt werden können. Besonders bei den Konsumgütern ist seit mehreren Jahren eine Zunahme der formalen Gestaltelemente auf Kosten der funktionalen Interfacegestalt zu beobachten. Diese ästhetische Dominanz in der Produktentwicklung weist auf die intensive visuelle Wirkung der formalästhetischen Elemente auf unsere Wahrnehmung hin. Vor ca. 30.000 Jahren (Eiszeit, 2009) hat sich dieser ästhetische Instinkt bei unseren Vorfahren ausgebildet und wurde von ihnen in vielfältige zwei- (Höhlenmalerei) und dreidimensionale (Speerschleuder, Faustkeil) Artefakte umgesetzt. Der immer wieder irreführende Begriff der "Schönheit" ist genau genommen ein Hinweis auf eine hohe Funktionalität, die sowohl bei der Beurteilung von Landschaften als auch eines geeigneten Partners überlebensnotwendig war. In der Natur sind "wahre" Werte einer Gestalt direkt visuell als Schönheit wahrnehmbar. Das Dilemma bei der heutigen Produktentwicklung liegt in der starken Priorisierung der formalästhetischen Aspekte gegenüber den funktionalen Gestaltelementen. Betraf es bisher nur den Bereich der Konsumgüter, sind inzwischen auch die Investitionsgüter davon betroffen. Nur mit einem stark ausgebildeten ergonomischen Wissen kann sich der Nutzer gegen die "visuellen Angriffe" ästhetisch hochwertiger Gestaltelemente erwehren. Eine Co-Evolution und der damit verbundene Selektionsdruck (Reicholf, 2010, S.61) zwischen Mensch und Maschine findet heutzutage nicht mehr statt. Das geistige Potenzial eines Menschen und die damit einhergehende Produktentwicklungsgeschwindigkeit, sind mit den Zeiträumen evolutionär angepasster Veränderungen nicht zu vergleichen. Die Interfacegestalt einer Produktgestalt wird in Interfacemodule und -elemente unterteilt. Die haptische und visuelle Interfacegestalt teilen sich jeweils in die funktionalen und formalen Teilgestalten auf. Für den Fall, dass der visuell ästhetische Wert der funktionalen Teilgestalt niedrig wäre, kann mit der Methode EVOuse Abhilfe geschaffen werden. Das Akronym EVOuse setzt sich aus den Begriffen EVOlution und Us(e)ability zusammen und zielt auf das evolutionsgerechte Benutzen einer Interfacegestalt ab. Vor die reale visuelle Gestalt eines haptischen Interfaceelements hoher ergonomischer Qualität wird eine ideale visuelle Gestalt hoher ästhetischer Qualität vorangestellt.
Veranstaltung: 53. Fachausschusssitzung Anthropotechnik der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt Lilienthal-Oberth e.V.
Medientyp: Conference Paper
Sprache: deutsch
Veröffentlicht: DGLR-Bericht, 2011, 2011-01, Ergonomie im interdisziplinären Gestaltungsprozess; S.137-150; 2011; Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt - Lilienthal-Oberth e.V., Bonn
Preis: NA
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Stichworte zum Inhalt: antropotechnik
Verfügbarkeit: Bestellbar
Veröffentlicht: 2011


Dieses Dokument ist Teil einer übergeordneten Publikation:
Ergonomie im interdisziplinären Gestaltungsprozess